Feministischer Blick auf Pakistan:
Umber Majeed ist Fellow der New York Foundation for the Arts 2020

Seit 1999 kooperiert die Deutsche Bank mit der New York Foundation for the Arts (NYFA), um jährlich ein NYFA Fellowship auszuschreiben. Zusätzlich wurde ein Mentorenprogramm initiiert, das sich speziell an Künstler*innen mit Migrationshintergrund richtet. Das Fellowship wurde für junge, aufstrebende Künstler*innen initiiert, um ihnen bessere Chancen in der Kunstwelt zu bieten und das Werk einem breiteren Publikum vorzustellen. Zum Stipendium gehört auch der Ankauf einer Arbeit für die Sammlung Deutsche Bank.

Als Fellow für das Jahr 2020 wurde die in New York und in Lahore lebende, interdisziplinäre Künstlerin Umber Majeed ausgewählt. 1989 in New York geboren, studierte Majeed in Pakistan, New York und im Libanon. In ihren Zeichnungen, Collagen, digitalen Animationen, Installationen und Lecture-Performances beschäftigt sie sich kritisch mit dem ideologischen, sozialen und geopolitischen Wandel in Pakistan und Südostasien sowie der Erfahrung kultureller Hybridität in der Diaspora. In spekulativen, häufig surrealen und humorvollen Erzählungen setzt sich Majeed mit patriarchalischen Strukturen, der Marginalisierung von Frauen und Minderheiten, Entfremdung und Gewalt auseinander.

So blickt sie 2018 in ihrer ersten Einzelausstellung In the Name of Hypersurface of the Present in der New Yorker Galerie Rubber Factory aus einer feministischen Sicht auf den von religiösem Fundamentalismus und Nationalismus bestimmten Weg Pakistans zur Atommacht. Dabei nutzt sie kitschige pakistanische Tourismuswerbung, Musik- und Amateurvideos aus dem Internet und die fotografischen Archive ihres Großvaters, in denen sich Familien- und kollektive Geschichte überlagern.

In ihrem digitalen Recherche-Projekt Trans-Pakistan Zindabad (Long Live Trans-Pakistan) und der VR-Installation Zaameen.com (2019) beschäftigt sie sich mit der Immobiliengruppe Bahria Town, die sich auf den Bau von Gated Communities in Pakistan spezialisiert hat und deren Zielgruppe die Oberschicht des Landes ist. In Majeeds konstruierter, animierter Welt geht es um Klassenfragen, Heteronormativität, die Zukunft urbaner Bebauung, Tourismus und Gentrifizierung.  

Majeed hat an zahlreichen Gruppenausstellungen in Pakistan, Nordamerika und Europa teilgenommen, darunter The Divided Self, The Slought Foundation, Philadelphia, USA (2012), The Museum: Within and Without, Eremitage, St. Petersburg, Russland (2015), Witness - Karachi Biennale, Karatschi, Pakistan (2017) und Volumes - Queens International 2018, Queens Museum, New York, USA (2018). Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien: das HWP Fellowship, Ashkal Alwan, Beirut, Libanon (2017), die Refiguring Feminist Futures Web Residency, Akademie Schloss Solitude & ZKM, Deutschland (2018) und das Digital Earth Fellowship, Hivos, Niederlande (2018-19). Majeed ist Mitglied des HHH-Kollektivs, das in New York ansässig ist.