40 Jahre Sammlung Deutsche Bank
Bhupen Khakhar: "Woman and Boy", 1985

Max Bills in sich gedrehte Granitskulptur „Kontinuität“, Christos und Jeanne-Claudes Installation „The Gates“ im winterlichen New Yorker Central Park, Cao Feis Vision einer virtuellen, futuristischen Szenerie im Nirgendwo: Wir zeigen in monatlicher Folge Werke, die jedes für sich ein Stück Zeitgeschichte repräsentieren und einen Aspekt der Sammlung Deutsche Bank widerspiegeln, die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert.


Bhupen Khakhar
Woman and Boy, 1985

© Bhupen Khakhar


Bhupen Khakhars Bild Woman and Boy erzählt eine ebenso beiläufige wie geheimnisvolle Geschichte. Ein in bunte Gewänder gehüllter Junge sieht seine Mutter durch eine Scheibe an. Wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt ist er von Schmetterlingen umgeben, buntes Licht strahlt in die dunkle Wohnung. Das Aquarell entsteht 1985, als in Indien LGBTQ-Themen noch völlig tabu sind. „Wenn ich davon überzeugt bin, die Wahrheit zu erzählen, dann gibt es keine Zurückhaltung“, erklärte Khakhar. Der 2003 verstorbene Künstler schuf ein faszinierendes, autobiografisches Werk mit Motiven, die in seiner Heimat noch kein Maler berührt hatte: das Leben der unteren Mittelschicht Indiens, aber auch intime Szenen, die um Sexualität, Krankheit und Sterben kreisen.

Dieses Blatt, das Homosexualität poetisch thematisiert, wurde in den 1990er-Jahren für die Ausstattung der Niederlassung der Deutschen Bank in Mumbai angekauft. Es verdeutlicht die frühe globale Ausrichtung der Unternehmenssammlung. 2016 wurde das Werk des bedeutenden indischen Malers mit einer großen Retrospektive in der Londoner Tate Modern und der Deutsche Bank KunstHalle in Berlin auch im Westen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.