The Most Incredible Thing
Marcel Dzamas Kostüme für das New York City Ballet

Kaum ein zeitgenössischer Künstler ist so stark mit der Welt der Kindheit verbunden wie Marcel Dzama. Seine Zeichnungen wimmeln von tanzenden Bären, Akrobaten, Gespenstern oder bewaffnete Cheerleadern und erinnern dabei an die Illustrationen alter Märchenbücher. Zugleich nutzt Dzama diese Bildsprache, um die Abgründe der Erwachsenenwelt auszuloten: Gewalt, erotische Obsessionen, die Schattenseite der Moderne. Dzama war also die perfekte Wahl, um die Kostüme und Bühnenbilder für The Most Incredible Thing zu entwerfen. Diese neue Produktion des New York City Ballet basiert auf Das Unglaublichste, einem der letzten Märchen von Hans Christian Andersen. Die Geschichte von der schönen Prinzessin, dem einfallsreichen Erfinder und dem bösen Zerstörer verspricht ein Höhepunkt der diesjährigen Theatersaison zu werden. Dafür kleidet Dzama insgesamt 56 Tänzer ein, darunter auch 11 Kinder der School of American Ballet. Der Künstler, dem in den Frankfurter Deutsche Bank-Türmen eine ganze Etage gewidmet ist, verwandelt die Nachwuchstänzer in für ihn typische Fabelwesen, die sich durch bizarre Kulissen bewegen. The Most Incredible Thing” lässt Dzamas gezeichnetes Universum auf der Bühne lebendig werden.
Was auf den ersten Blick verspielt und poetisch erscheint, hat einen ernsten Hintergrund: Inspiriert vom Deutsch-Französischen Krieg von 1870 schildert Andersen in dem Märchen den Kampf zwischen Kultur und Aggressoren so eindringlich, dass dieses den Dänen im Zweiten Weltkrieg als Widerstandslektüre diente. Und auch heute noch ist diese Parabel aktuell: „Die ganze Geschichte handelt davon, wie die Kunst über Tyrannei oder Zerstörung triumphiert“, so Marcel Dzama. „Ich kannte sie vorher nicht und las sie genau in den Tagen, als Palmyra von der ISIS zerstört wurde. Dabei dachte ich ständig: „Oh, das passt genau in die Zeit.“

Im New York City Ballet kann man aber nicht nur dank The Most Incredible Thing tief in Dzamas Kosmos eintauchen. Der Künstler bespielt zugleich auch die große Wandelhalle des David H. Koch Theaters. Beeinflusst von Filmklassikern wie Charlie Chaplins Modern Times und Oskar Schlemmers Triadischem Ballett hat er dort eine retrofuturistische Multimedia-Installation geschaffen, die den Raum in ein gigantisches Schachspiel verwandelt. Dzamas Projekt ist Teil der Art Series, mit der das Ballett ein neues, junges Publikum anzieht. Seit 2013 begeistern Installationen und Performances von Künstlern wie dem französischen Street Art Star JR oder dem Duo FAILE aus Brooklyn auch Besucher, die zuvor kein Interesse am klassischen Ballett hatten.

Aktuell ist in New York bei David Zwirner außerdem eine Ausstellung mit Gemeinschaftsarbeiten von Marcel Dzama und Raymond Pettibon zu sehen.

NYCB ART SERIES PRESENTS MARCEL DZAMA

Performances: 06., 11. und 19.02.,
Free Public Viewing: 13-21.02

New York City Ballet: The Most Incredible Thing
ab 02.02.2016

Marcel Dzama and Raymond Pettibon. Forgetting the Hand
David Zwirner, New York
bis 20.02.2016