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Fotokünstler schreiben Geschichte – Becher-Schüler in der Deutschen Bank Luxembourg
Stadt in Sicht – Künstler aus der Sammlung Deutsche Bank blicken auf urbane Lebenswelten

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Fotokünstler schreiben Geschichte
Becher-Schüler in der Deutschen Bank Luxembourg


Von Wohnsiedlungen in der deutschen Provinz bis zur Börse von Singapur: Die Fotografen der Becher-Schule haben den Fokus ihrer künstlerischen Arbeit beständig erweitert. Nicht nur indem sie mit ihrer Kamera eine globalisierte Welt erkunden. Zugleich loten sie immer wieder die Möglichkeiten des Mediums Fotografie aus. Jetzt zeigt eine Ausstellung in der Deutschen Bank Luxembourg ausgewählte Arbeiten der prominenten Becher-Schüler aus der Unternehmenssammlung.


Sie stehen für eine völlig neue Vorstellung von Fotografie: Die Fotografen der Becher-Schule sind die Ersten, die mit überdimensionalen Bildformaten experimentieren. Dabei entstehen Bilder von einer kristallinen Schärfe, die jedes noch so kleine Detail sichtbar macht. Sie arbeiten ebenso mit vorgefundenem Bildmaterial wie mit neuster digitaler Technik. Mit Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff, Jörg Sasse und Thomas Struth beginnt der Siegeszug der deutschen Fotografie in den internationalen Museen und auf dem Kunstmarkt. Sie alle studieren bei Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Jetzt dokumentiert eine Ausstellung der Deutschen Bank Luxembourg dieses entscheidende Kapitel der Fotografiegeschichte – mit rund 70 Werken aus der Sammlung Deutsche Bank und Leihgaben der renommierten Fotosammlung der Deutschen Börse. Die Schau Fotokünstler schreiben Geschichte ist Teil des offiziellen Programms des European Month of Photography in Luxemburg, der ab dem 24. April 2013 an diversen Ausstellungsorten im Großherzogtum gefeiert wird.

Bernd und Hilla Becher sind in der Ausstellung mit ihren ikonischen Aufnahmen von Wassertürmen und Hochöfen vertreten. Die als Serien konzipierten Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen die Industriebauten als "anonyme Skulpturen" – so der Titel ihres 1970 erschienenen ersten Bildbands. Es sind Architekturen von eigenartiger Schönheit, die heute größtenteils nicht mehr existieren. Die Bechers verstehen die nüchternen Typologien als Arbeiten in der Tradition der Neuen Sachlichkeit. Seit Ende der 1960er Jahre wird ihr Werk allerdings verstärkt in Zusammenhang mit Minimal und Konzeptkunst diskutiert und ausgestellt.

Zwar wird 1976 nur Bernd Becher zum ersten Professor für freie Fotografie an einer deutschen Kunstakademie berufen, doch bei der Ausbildung der Studenten arbeitet das Ehepaar eng zusammen. Die Arbeiten der ersten Schüler sind anfangs noch stark von ihrem Stil geprägt. Das veranschaulichen in Luxemburg etwa Thomas Struths Ansichten einer tristen Vorortsiedlung von 1986/87 oder Axel Hüttes Düsseldorf von 1987. Die Aufnahme zeigt den Flur eines Gebäudes als Ensemble geometrischer Flächen. Auch Jörg Sasses frühe Interieurs sind vom Becher-typischen Blick für Details beeinflusst. Doch er verabschiedet sich rasch vom dokumentarischen Schwarz-Weiß. Seine um 1990 entstandenen Farbaufnahmen von Couch-Garnituren, Blumentöpfen oder Vorhängen sind als Auseinandersetzung mit formalen Fragen zu verstehen. Kurze Zeit später wird Sasse nicht mehr selbst fotografieren, sondern Amateuraufnahmen am Computer bearbeiten. Er vergrößert sie, bestimmt Ausschnitte und Farben, eliminiert störende Details. Dabei entstehen suggestive Bilder, real und irreal zugleich, die Zweifel am Wirklichkeitsgehalt der Fotografie wecken.

Auch Thomas Ruff stellt die Konventionen der Fotografie immer wieder in Frage. So mit den 210 x 165 cm großen Porträts (1986-91), die sich der klassischen Aufgabe dieses Genres, der psychologischen Durchdringung der abgebildeten Person, radikal verweigern. Seine Porträts zeigen reine Oberflächen: "Ein Porträt geht nicht einen Millimeter unter die Haut“, so Ruff, „und ein einzelnes Foto sagt noch nichts über die Persönlichkeit des Porträtierten aus." Mit der Serie Andere Porträts (1994/95) geht der Künstler noch einen Schritt weiter: Per “Minolta-Montage-Unit”, einer Bildgenerierungsmaschine, die in den 1970ern zur Herstellung von Phantombildern benutzt wurde, verschmilzt er zwei Porträts zu einem einzigen, geisterhaften Gesicht. Neben Ruff und Sasse steht auch Andreas Gursky für die Hinwendung zur digitalen Bildbearbeitung, ohne die seine detailreichen Großformate wie etwa Singapur Börse I (1997) aus der Sammlung Deutsche Bank nicht möglich wären.

Während sich Gurskys Panoramen von Börsen, Supermärkten und Technoclubs den Schauplätzen einer globalisierten Massengesellschaft widmen, zieht es Candida Höfer bevorzugt an Orte, die Kultur und Tradition verkörpern. Ihre menschenleeren Bibliotheken, Museen oder Kirchen stehen im größtmöglichen Gegensatz zu Gurskys Massenszenen. Und doch eint beide Künstler die kühle Sachlichkeit ihrer Bilder. Vor allem aber, und das zeigt die Ausstellung in Luxemburg ganz deutlich, verbindet die Bechers und ihre Schüler eines – die Meisterschaft ihrer Bildkomposition.
Achim Drucks

Fotokünstler schreiben Geschichte
Bernd und Hilla Becher und ihre bedeutenden Schüler mit Werken von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff, Jörg Sasse und Thomas Struth
25.4. – 30.6.2013
Deutsche Bank Luxembourg
Boulevard Konrad Adenauer 2
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 – 17 Uhr




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