„...nachdenklicher Kommentar zu den Realitäten in Europa“ - Die Presse über COMMON AFFAIRS in der Deutsche Bank KunstHalle

Der VIEWS-Award gilt als wichtigste Auszeichnung für junge polnische Kunst. Mit COMMON AFFAIRS: Revisiting the VIEWS Award – Contemporay Art from Poland präsentierten die Deutsche Bank KunstHalle und das Polnische Institut Berlin erstmals eine Auswahl von Arbeiten der Preisträger und Nominierten. Die Presse bringt die Ausstellung immer wieder mit der aktuellen politischen Situation im Heimatland der Künstler in Verbindung.
„Dieser Preis für junge polnische Kunst wurde 2003 von der Deutschen Bank und der Warschauer Zachęta - Nationale Kunstgalerie ins Leben gerufen und ist vergleichbar mit dem Berliner Preis der Nationalgalerie oder dem Turner Prize“, schreibt Irmgard Berner in ihrer Besprechung von COMMON AFFAIRS in der Berliner Zeitung. Ihr Fazit der Schau: „Diese Künstler machen die Situation ihres Landes immer wieder kritisch greifbar.“ Das sieht Nina Monecke von der taz ganz ähnlich: „In der Deutsche Bank KunstHalle verhandeln polnische Künstler neben den Arbeitsbedingungen ihrer Branche vor allem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihres Landes. (…) Ob nun distanziert-kritisch oder offen-politisch, diese Kunstwerke sind sicher nicht das, was sich die polnische Regierung unter dem „wahren Polen“ so vorstellt.“ In der Berliner Morgenpost bemerkt Angela Hohmann: „Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags wird nun ein Blick zurückgeworfen auf Nominierte und Preisträger von damals bis heute. 17 Künstler hat das deutsch-polnische Kuratorenteam Julia Kurz und Stanisław Welbel aus diesem Kreis ausgewählt, um an zwei Orten in Berlin eine Ausstellung zu machen. COMMON AFFAIRS ist der Titel und zeigt das ganze Knäuel der vielfältigen Beziehungen dieser deutsch-polnischen Allianz.“ Für die Weltkunst fasst Christiane Meixner die Ausstellung so zusammen: „Die DB-Kunsthalle und das Polnische Institut in Berlin werfen einen konzentrierten Blick auf die zeitgenössische Kunstszene Polens.“

Für Deutschlandradio Kultur lobt Carsten Probst, dass „die Schau nicht nur auf große Namen setzt.“ Stattdessen greife sie „viele zur Zeit in Polen politisch brisanten Themen auf.“ Dazu schreibt Claudia Wahjudi vom Stadtmagazin Zitty: „Zwar thematisieren einige der mehrheitlich exzellent ausgearbeiteten Videos, Interventionen, Plastiken und Installationen Bereiche wie Arbeit, Nationalismus, Kirche und Homosexualität. Doch im Mittelpunkt stehen Museen, Sammlungen und die Kunstwelt.“ „Während die Kunst ganz selbstverständlich Grenzen überschreitet, greift die polnische Politik auf Begriffe wie Nationalität zurück“, bemerkt Simone Reber in ihrem Bericht für den Radiosender SWR2. „Ironisch stellt Janek Simon 'wahre Polen' aufs Podest. Den Ausdruck nutzten Regierung wie Opposition, um sich selbst zu legitimieren.“ Das Art Kunstmagazin nahm COMMON AFFAIRS in seiner Rubrik „Die aufregendsten Ausstellungen der Woche“ auf und auch die Welt am Sonntag, Tip, Blouin Artinfo und die Website der Art Collection Telekom, deren Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst aus Ost- und Südosteuropa liegt, empfahlen einen Besuch in der KunstHalle.

In Polen sei die „Kunstszene praktisch die einzige Institution, die der Regierungspolitik Paroli bietet“, konstatiert Falk Schreiber in Kulturnews. Die Werke in COMMON AFFAIRS seien allerdings „als politische Opposition nicht sofort erkennbar. In einem hermetischen, verklausulierten Sinn bleiben sie dennoch oppositionell.“ Im Kunstforum kritisiert Manuela Lintl, man merke der Ausstellung an, dass „Interessenskonflikte und divergierende Absichten nicht unbedingt zu einem überzeugenden Ganzen beigetragen haben. Das von den Kuratoren gesuchte widerständige Potential der künstlerischen Beiträge ist vorhanden aber im Gesamtbild dann doch zu verhalten.“ In Neues Deutschland bemerkt Tom Mustroph, dass der VIEWS-Award „für die staatlicherseits lange vernachlässigte zeitgenössische Kunstszene ein wichtiger Impuls war“. Doch „bei allem Respekt: Freiheit der Kunst garantiert solch ein Preis allein sicher nicht. Allenfalls macht er Abhängigkeiten weniger monolithisch und setzt der staatlichen Kunstpolitik ein kleines Korrektiv entgegen.“

„Den Berlinern durch diverse Ausstellungen vertraut ist die 1981 geborene Künstlerin Iza Tarasewicz, die derzeit ihren internationalen Durchbruch erlebt,“ schreibt Inge Pett von Art in Berlin. „Ihre ästhetisch ansprechende Arbeit Arena 2 verkörpert das dialektische Prinzip, mit dem sich die Ausstellung selbst reflektiert. Auf abstrakter Ebene verbindet die Künstlerin verschiedene Exponate – der Raum wird somit zum „Bühnenbild“, in dem Werke, Energien und Konzepte aufeinandertreffen und einen Diskurs beginnen.“ Im Tagesspiegel bemerkt Christiane Meixner: „Die Ausstellung COMMON AFFAIRS trägt im Untertitel die Ergänzung Revisiting the VIEWS Award und räumt den Protagonisten die Möglichkeit ein, jene Werke zu zeigen, mit denen sie am Wettbewerb teilgenommen hatten, oder die Arbeiten neu zu interpretieren, ja sogar etwas völlig anderes zu zeigen. Das Ergebnis ist weit mehr als eine kleine Retrospektive, die den Preis feiern und vorzeigen will. (…) Als Jubiläumsschau versteht sich dieses Projekt nicht. Sondern als kritischer, nachdenklicher und sehenswerter Kommentar zu den Realitäten in Europa.“