Goldenes UFO in der Toskana: Bedeutende Leihgabe aus der Sammlung Deutsche Bank im neuen
Luigi Pecci Zentrum

Der Erweiterungsbau des Centro per l’Arte Contemporanea Luigi Pecci in Prato ist wirklich spektakulär ausgefallen: Aus einer in mattem Gold schimmernden Ellipse ragt eine antennenartige Metallkonstruktion in den Himmel – wie ein Sensor, der die neuesten Strömungen in der Gegenwartskunst erspüren soll. Sensing the Waves hat Maurice Nio seinen futuristischen Entwurf dann auch betitelt. Der 1959 geborene Niederländer gehört zu den interessantesten Architekten seiner Generation. Sein Studium an der Delft University of Technology schloss er mit dem Entwurf einer Villa für Michael Jackson ab. Seitdem hat Nio Wohnbauten, ein Einkaufszentrum und mit The Amazing Whale Jaw sogar eine futuristische Bushaltestelle realisiert. Zehn Jahre hat es gedauert, bis sein Plan für das Luigi Pecci Centre endlich umgesetzt wurde. Das Warten hat sich gelohnt. Elegant umschließt Nios zweigeschossiger Rundbau das ursprüngliche, 1988 nach einem Entwurf des Rationalisten Italo Gamberini errichtete Ausstellungshaus. Es war Italiens erster Museumsbau für zeitgenössische Kunst. Nio hat nicht nur die Ausstellungsfläche des Museums verdoppelt. Das Haus verfügt jetzt auch über eine 50.000 Bände umfassende Bibliothek, ein Open-Air-Theater, ein Auditorium und einen Raum für Performances. Neben Ausstellungen stehen Konzerte, Filme, Workshops und Bildungsangebote auf dem Programm.

Dass die Eröffnungsausstellung ausgerechnet The End of the World betitelt wurde, wirkt zunächst irritierend. Doch dem Museumsdirektor und Kurator Fabio Cavallucci geht es hier nicht um die Beschwörung einer Apokalypse. Auf über 3.000 Quadratmetern versucht er vielmehr, unsere Welt aus einer großen Distanz zu betrachten – so als wäre sie eine längst vergangene geologische Epoche. Dabei helfen ihm Arbeiten von über 50 internationalen Künstlern. Auch eine bedeutende Leihgabe aus der Sammlung Deutsche Bank ist im neuen Luigi Pecci Centre zu sehen: Cai Guo-Qiangs Head On – ein in Rudel von 99 lebensgroßen Wölfen, die der chinesische Künstler gegen eine Mauer aus Glas stürmen lässt. Mit dieser Installation schuf er eines seiner eindringlichsten Werke. „Ich wollte die universelle menschliche Tragödie abbilden“, so Cai, „die aus blindem Vorwärtsstürmen resultiert, aus der Kompromisslosigkeit, mit der wir versuchen, unsere Ziele durchzusetzen.“ Dass sich die Resultate dieses Vorwärtsstürmens nicht immer positiv auf die Zukunft unseres Planeten auswirken – auch das demonstriert diese außergewöhnliche Ausstellung. Ihr Spektrum reicht von Futuristen wie Umberto Boccioni über Andy Warhol und dem aktuellen Biennale-Liebling Camille Henrot bis zu Popstars wie die Sängerin Björk oder der französische Electro-Musiker Joakim. Mit dabei auch zahlreiche Künstler aus der Sammlung Deutsche Bank wie Adel Abdessemed, Kader Attia, Carlos Garaicoa, Boris Mikhailov oder Hiroshi Sugimoto.
A.D.

The End of the World
16.10. 2016 –19.03.2017
Centro per l'Arte Contemporanea Luigi Pecci, Prato