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Sharon Hayes

Liebe, Protest und Politik



Die US-amerikanische Demokratie befindet sich am Scheideweg. Ein Grund mehr für Sharon Hayes, politische Kunst wieder relevant und aufregend zu machen. Ob sie Gender-Proteste inszeniert oder die radikalen Ansprachen der Millionenerbin und Terroristin Patty Hearst verfremdet – wie Hayes die Schnittstellen zwischen Geschichte, Politik, Sprache und Begehren auslotet, ist einzigartig. Für die diesjährigen Frieze Projects hat sie die Performance "Unannounced" entwickelt und zusätzlich eine limitierte Edition für die Printausgabe von db artmag anlässlich der Frieze geschaffen. Morgan Falconer hat die umtriebige Künstlerin in ihrem Atelier in Brooklyn getroffen.




Im August flog Sharon Hayes nach Denver – zum Parteitag der Demokraten. Doch zuvor suchte sie Freiwillige, die "flamboyant und queer" sind oder zumindest "bereit wären, diese Rolle zu spielen", um sie zu begleiten. Rund zwei Dutzend Menschen versammelten sich so auf einer belebten Straße in Downtown Manhattan und trugen gemeinsam eine love address vor. Solche "Liebesbotschaften" verkündet sie in vielen ihrer neueren Performances. Teils Liebesbrief, teils Traktat über Fragen der Zeit, richten sie sich an ein "du", das ebenso ein einsamer Liebhaber wie die gesamte Menschheit sein könnte.

Es ist die repressive Atmosphäre der gegenwärtigen US-Kultur, gegen die sich diese Protestperformances lauthals richten. So erzählt Hayes: "Gerade als wir mit unserer Aktion auf den Straßen von Denver beginnen wollten, tauchte eine dieser verrückten Christengruppen mit Plakaten auf, auf denen Sachen standen wie 'Schwuler Sex ist eine Sünde!' oder 'Passt auf! Diebe, Abtreibungsbefürworter, Homos, ihr werdet in der Hölle schmoren!' Für einen kurzen Moment haben sie versucht, uns zu umzingeln, doch gleich nach ihnen kam die Polizei in voller Demo-Montur. Ich dachte schon, sie würden ihr Zelt aufschlagen. Interessant war aber, dass die Truppe einfach weiter gezogen ist, weil wir uns einfach nicht um sie geschert oder zurückgeschrien haben. Und dann haben wir mit unserer Performance begonnen."

Hayes war diesen Sommer ziemlich beschäftigt. Abgesehen davon, dass sie der Konfrontation mit ultra-konservativen Christen gerade noch ausweichen konnte, stellte sie auch im Deutsche Guggenheim in Berlin aus. Hier waren ihre Arbeiten in Freeway Balconies zu sehen, einer Schau, in der die Fotografin Collier Schorr ihre eigenen Werke zusammen mit denen von Künstlern präsentierte, die sie zu den wichtigsten, jungen US-amerikanischen Talenten zählt. Zurzeit produziert Hayes zudem eine Performance für die Frieze Art Fair in London. Unannounced ist eine künstlerische Politkampagne – komplett mit Flugblättern, Megaphonen und Demo-Plakaten, die ihre Intensität von Messetag zu Messetag steigern wird. Die Performance spielt auf das heterogene Publikum an und thematisiert Fragen von Zugehörigkeit, Exklusivität und Insidertum.

Sharon Hayes wurde 1970 in Baltimore geboren. Die lebendige, drahtige Frau, die meistens von ihrem Hund Cosmos begleitet wird, kam Mitte der 1990er nach New York und tauchte gleich in die Downtown-Performanceszene ein. Die Arbeit ihrer Kolleginnen und Freunde – meist Feministinnen und Lesben wie sie selbst – war zwar politisch motiviert, im Gegensatz zu Hayes führten sie ihre Performances aber eher in Theatern als in Galerien oder Museen auf. "Meine letzte Arbeit dieser Art hieß The Lesbian", erinnert sich Hayes. "Sie basierte auf einer langen Fahrt übers Land, die ich unternahm, um Lesben 'in ihrer natürlichen Umgebung' zu entdecken. Meine Grundidee war, das 'Konzept Lesbe' auf die amerikanische Landschaft zu projizieren. Als ich zurückkam, hielt ich die vermutlich theaterhafteste Performance meines Lebens – sie bestand eigentlich nur aus einer Unterhaltung mit dem Publikum."

Gerade als ihr klar wurde, dass sie nach etwas Neuem suchte, wurde sie ins prestigeträchtige Independent Study Program des New Yorker Whitney Museums aufgenommen. Daraufhin produzierte sie ein bahnbrechendes Video: In Symbionese Liberation Army (SLA) (2002) spielte sie die Fernsehansprachen der legendären Millionenerbin und kurzzeitig Linksradikalen Patty Hearst nach, die sie 1974 vor der Kamera ihrer Kidnapper von der SLA gehalten hatte. Aber Hayes baute vorsätzlich Versprecher und Verzögerungspausen in die Sätze ein und bat ihre Kameramänner um Regieanweisungen. Diese Strategie sorgte für seltsame Verwirrung. Signalisierte sie damit Mitgefühl für die sich wandelnden politischen Ansichten der Erbin? Oder machte sie sich über eine öffentliche Person lustig, die es über die Jahre beinahe zur Camp-Ikone schaffte?




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