"Roadtrip in die amerikanische Gegenkultur" Die
Presse über Freeway Balconies
Mit
"Freeway Balconies" präsentiert Collier Schorr ihre ganz persönliche
Auswahl von Arbeiten der aktuellen amerikanischen Szene. Im Fokus der
Schau im Deutsche Guggenheim stehen Positionen, die sich mit Themen wie
Performanc, Repräsentation und Appropriation auseinandersetzen. Dabei
kombiniert die Künstlerkuratorin eigene Werke mit Arbeiten von Stars wie Richard
Prince oder Bruce
Nauman sowie zahlreichen Newcomern. "Freeway Balconies" zeichnet
gleichzeitig ein verstörendes Bild der amerikanischen Gesellschaft und ein
assoziatives Selbstporträt Collier Schorrs. Die Kritik hat das
Ausstellungsexperiment im Deutsche Guggenheim überzeugt.
Die
derzeit "wohl brillanteste Expertin popkultureller Performances von
Identität" - so nennt Eva Karcher die US-Künstlerin Collier
Schorr, der sie in der Süddeutschen Zeitung ein
doppelseitiges Porträt widmet. "Schorr begreift Identität als geliehene
Identität, als eine, die man sich aneignet und wie einen Auftritt in Szene
setzt." "Darin, das ständig komplizierter werdende Verhältnis zwischen
Image und Identität immer wieder zu übersetzen, besteht wohl Schorrs
analytisches Genie. Denn in der Ära von YouTube
ist Identität keine Konstante mehr." In seinem Preview der Schau für Monopol
beschreibt Daniel Völzke die Strategie der Künstlerin: "Schorr steckte
jugendliche deutsche Freunde in Kleidung der SS, der Bundeswehr oder frei
erfundene Uniformen. Ein anderes Mal bat sie einen Jungen, "weibliche"
Posen nachzustellen. (…) Die Spannungen, die zwischen Fotografin und
Modell entstanden, bleiben auf den Bildern spürbar. Sie erzeugen einen
Raum von Möglichkeiten, sie erzählen von der Flüchtigkeit der Identitäten
und Gewissheiten."
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Der subversive Aspekt von Collier Schorrs Werk spiegelt
sich auch in ihrer Auswahl für Freeway
Balconies wider. So schreibt Claudia Funke in der taz:
"Parodie, Verfremdung und Ironie, Posing und Kostümierung sind die Mittel,
die sowohl im privaten Rahmen als auch im öffentlichen Kontext eingesetzt
werden. Mit ihnen stellen die Künstler gesellschaftliche Normen in Frage,
ermöglichen neue Sichtweisen auf scheinbar Vorgegebenes und implizieren
somit eine politische Dimension." Tim Ackermann von der Welt am
Sonntag erscheint die Ausstellung der "derzeit angesagtesten
Fotografin" wie ein "Roadtrip in die amerikanische Gegenkultur". Und für
Jens Hinrichsen vom Tagesspiegel zeigt die Schau die "brüchige
Identitäten einer Supermacht im Krieg." Auch Nicole Büsing und Heiko Klaas
betonen in ihrer Rezension in der Berliner Morgenpost das kritische
Amerikabild, das die "materialreiche Gruppenausstellung" vermittelt.
Schorr zeige "ihre Heimat als Land der inneren Zerrissenheit und einer
tiefen Identitätskrise."
"Herrlich unaufgeräumt"
erscheint Christiane Meixner von der Zitty die Schau, die für sie
vor allem um "verordnete Identität und rebellisches Aufbegehren" kreist.
Für Meixner "ein kuratorischer Versuch, der so subjektiv wie gekonnt ist".
"Eine Schau als Selbstporträt?" Ob dieses Experiment gelingen kann, fragt
sich Elfi Kreis in der Kunstzeitung. Es kann, "wenn der Kurator das
Szepter an einen Künstler übergibt". Die "komplexen Geschichten", die die
Ausstellung erzählt, lassen sich allerdings "nicht nebenbei konsumieren. Freeway
Balconies knüpft ein Netzwerk verschlungener Gedankenstränge, das zu
entwirren sich lohnt." Und in der art fasst Elke Buhr ihren
Eindruck von der "radikal subjektiven Auswahl" der Künstlerkuratorin so
zusammen: "Schorr kombiniert die junge Generation mit Klassikern und macht
im Deutsche Guggenheim die Gruppenschau einmal wirklich zum
Gesamtkunstwerk."
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