Tokyo Blossoms Die Sammlung Deutsche Bank im Hara
Museum
Es war ein überragender
Erfolg. Bei
"25", der Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank, zählte die
Deutsche Guggenheim in Berlin mehr Besucher als je zuvor. Jetzt macht die
Ausstellung mit einem völlig neuen Konzept im Hara Museum Station. Und wie
in Berlin gehen auch in Tokio die Kunst und das visionäre
Ausstellungsdesign von Zaha Hadid eine unverwechselbare Symbiose ein.
Achim Drucks über "Tokyo Blossoms" - die Präsentation der Sammlung
Deutsche Bank in Japans renommiertestem Museum für Gegenwartskunst.

Georg Baselitz, Ohne Titel, 1998,
Sammlung Deutsche Bank
Sanft bewegt der Wind
bei der Eröffnung von
Tokyo Blossoms die riesigen Blüten im nächtlichen Garten des
Hara Museums. Inspiriert vom japanischen Kirschblütenfest
Hanami, bei dem die Japaner den Höhepunkt des Frühlings mit Picknicks und
Partys unter Kirschbäumen feiern, hat
Zaha Hadid diese futuristisch-floralen Skulpturen geschaffen. Auf ihre
weißen Oberflächen fallen die Schatten der zahlreichen Gäste, die sich auf
den Weg in das renommierteste japanische Museum für Gegenwartskunst
gemacht haben, um dort die Eröffnung der zweiten Station der
Jubiläumsschau der
Sammlung Deutsche Bank zu erleben. Es ist ein stimmungsvolles Bild: die
geschwungenen Formen der Hadid'schen Blüten glänzen in dem Licht, das aus
den Fenstern des hell erleuchteten Ausstellungshauses fällt, während sich
die anderen Skulpturen im Garten des Museums schemenhaft im Dunkel der
Nacht verlieren.

Andreas Gursky, Atlanta, 1996, Sammlung Deutsche Bank
Die größte, vier Meter hohe Tokyo Blossom liefert einen
imposanten Hintergrund für die Eröffnungsreden.
Ariane Grigoteit, Direktorin der
Deutsche Bank Art, betont, wie spannend für sie die Vorbereitungen für das
Projekt waren: "Es war für uns eine faszinierende Erfahrung, die Kunst der
Bank aus einem anderen Blickwinkel neu zu entdecken. Dank der
kuratorischen Patenschaft des Museums ist eine ganz eigenständige Schau
entstanden, die die Sammlung Deutsche Bank als internationale, auf junge,
aktuelle Positionen ausgerichtete Corporate Collection reflektiert".
Toshio Hara, Gründer, Mäzen und Direktor des Hauses, zieht Parallelen
zwischen dem Museum und der Sammlung Deutsche Bank. Beide Institutionen
wurden 1979 gegründet und für beide fördert aktuelle Kunst als Teil einer
offenen Gesellschaft das Verständnis der globalisierten Gegenwart.
Nach den Reden folgen die Gäste einem von Hadid entworfenen "Blütenteppich"
ins Innere des Museumsgebäudes, wobei sich die Konturen der von der
Londoner Stararchitektin entworfenen Skulpturen als Schattenrisse auf dem
Boden wieder finden. Die intimen Räume der 1938 im Bauhaus-Stil erbauten
ehemaligen Privatvilla der Familie des Museumsgründers bilden einen
idealen Rahmen für die von Toshio Hara und seinem Team ausgewählten
Arbeiten. Für Tokyo Blossoms haben sich die Kuratoren ganz auf
internationale Gegenwartskunst konzentriert - einen Schwerpunkt bilden
dabei Werke deutscher Künstler.

Neo Rauch, Stereo, 2001, Sammlung Deutsche Bank
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Den doppelbödigen Arbeiten von
Tobias Rehberger widmet die Schau einen ganzen Raum. Rote Kreise markieren
auf seinen scheinbar ganz harmlosen Gebirgsaquarellen die Stellen, an
denen Bergsteiger zu Tode gestürzt sind. Die 1993 entstandene Serie
S.M.V. hält Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs als idyllische
Landschaften fest. Historisch mutet die Szene auf
Gerhard Richters Gemälde
Kahnfahrt (1965) an, das verschwommene, wie aus der Erinnerung
auftauchende Motiv basiert auf einer Fotovorlage. Papierarbeiten von
Sigmar Polke und
Georg Baselitz bis
Rosemarie Trockel und
Neo Rauch sowie Fotografien von
Fischli und Weiss,
Wolfgang Tillmans oder
Thomas Ruff lassen im Hara Museum fast ein Panorama deutscher
Gegenwartskunst entstehen.

Chris Ofili, Untitled, 2000,
Sammlung Deutsche Bank
Aber auch viele
internationale Kunststars sind in Tokio präsent:
Kara Walker thematisiert in ihren poetischen und zugleich bösen
Scherenschnitten rassistische und sexistische Stereotypen in den USA. Mit
seinen
Autogrammpostkarten nimmt
Richard Prince den amerikanischen Celebrity-Kult ins Visier: ob
Cameron Diaz oder
Mike Tyson, stereotyp wünschen ihm die Stars All the best.
Luc Tuymans in verwischten Grautönen gehaltene Zeichnung Gemecties
(1998) wurde wirkungsvoll neben dem ehemaligen Kamin der modernistischen
Villa platziert. Die expressiven Kohlezeichnungen von
William Kentridge entstanden für seine Installation
Black Box, die Ende 2005 im
Deutsche Guggenheim zum ersten Mal zu sehen war. Kaleidoskopartig bunte
Gewänder und kunstvolle Frisuren - die Personen auf der Aquarell-Serie von
Turner-Preisträger
Chris Ofili präsentieren sich als afrikanische Ikonen. Die Auswahl der
Kuratoren - mehr als 130 Werke von 38 Künstlern - lässt eine Vorliebe für
Arbeiten erkennen, die verführerische Schönheit mit einer gewissen
Abgründigkeit verbinden.

Alessandro Pessoli, Ohne Titel, Sammlung Deutsche Bank
Obwohl japanische Künstler in der Sammlung zahlreich vertreten sind,
beschränkt sich die Ausstellung auf
Yutaka Sone,
Emiko Kasahara,
Atsuko
Tanaka und
Miwa Yanagi, für deren Videoinstallation Kagome, Kagome Zaha
Hadid einen tunnelartigen Raum entworfen hat. Im oberen Geschoss begegnet
der Besucher erneut den weißen Blütenskulpturen, mit denen die
Star-Architektin die Ausstellungsräume akzentuiert. Und sicher wird sie
auch die nächste Station der Schau in Singapur anlässlich der dortigen
Biennale wieder in ein spektakuläres Gesamtkunstwerk verwandeln.
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