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Gordon Matta-Clark und Freunde bei einer Performance für
"Tree Dance" am Vassar College, Poughkeepsie, New York, 1971
Courtesy the Estate of Gordon Matta-Clark und David Zwirner, New York

Wie oft hat Gordon seinen Vater gesehen?

Roberto Matta verließ ihn und tauchte bis zu seiner Krankheit nie wieder auf. Es gab jedoch Briefwechsel. Matta wusste von Gordons Entscheidung, Architektur zu studieren. Er schickte Gemälde, die verkauft werden sollten, damit sich Gordon, sein Bruder Sebastian und Anne erst ein Haus in Sag Harbor und später Gordons Loft in der Wooster Street leisten konnten. Matta war in der Nähe, als Gordon 1975 sein Conical Intersect in Paris realisierte, wobei dieser durch das acht Zoll dicke Mauerwerk eines verlassenen Gebäudes schnitt und dabei innerhalb von zwei Wochen ein kreisrundes Loch schuf. Matta hielt die Verbindung, aber sie war nie besonders eng. 1977 spuckte er bekanntermaßen in eine Grube, die sein Sohn in der Galerie Yvon Lambert gegraben hatte. Aber er kehrte zurück, als Gordon an Krebs erkrankt war und bestärkte Gordon, zu heiraten. Er war nicht der beste Vater, und genauso wenig war Anne Clark die beste Mutter. Trotzdem war Gordon erstaunlich geerdet und hatte seine Sache im Griff.



Untitled (Tree forms), 1971
Estate of Horace H. Solomon,
©Estate of Gordon Matta-Clark,
Courtesy Generali Foundation, Vienna

Waren seine Zeichnungen von den Arbeiten seines Vaters beeinflusst?

In Roberto Mattas Arbeiten gibt es dieses Gespür für Energie-Systeme und einen psychischen Raum der gleichzeitig architektonisch ist.

Matta-Clarks Zeichnungen wirken merkwürdig wissenschaftlich.

Er suchte nach Spuren. Seine Zeichnungen sehen aus, wie die Landkarten eines Situationisten. Seine Fotografien sind Dokumente, aber er war damit nicht zufrieden, also verwandelte er die Fotos in abstrakte Raumsysteme.



Bronx Floors: Threshold (Boston Post Road, Bronx), 1973
Collection of Anita Grossman Solomon,
©Estate of Gordon Matta-Clark,
Foto: Sheldan C. Collins

Matta-Clark bewegte sich als eine Art Messias im kunsthistorischen Zwischenraum von Happening, Performance Art und Post-Minimalismus. Wie kam es dazu, dass er auch als treibende Kraft in der Konzeptkunst betrachtet wurde?

Das vollzog sich in einer Art Wellenbewegung. Nach dem Tod von Smithson entdeckte Dan Graham Gordon für eine neue Generation und verankerte sein Werk in der Welt der Architekten und Theoretiker. Gordon wurde in den Achtzigern von den Leuten, die sich mit Theorie beschäftigen, akzeptiert. Er war aufregend, weil er nicht in Kategorien passte. Also mussten die Kategorien für ihn neu erdacht und angepasst werden. Er wurde mit Robert Smithson verglichen, der ein überragender Intellektueller war, während Matta-Clark selbst eher pragmatisch war.


Office Baroque, 1977
The Museum of Contemporary Art, Los Angeles;
Leihgabe von Blake Byrne
©Estate of Gordon Matta-Clark,
Courtesy The Museum of Contemporary Art, Los Angeles

Was verrät die Ausstellung im Whitney Museum über Matta-Clark, was nicht schon zuvor in anderen Ausstellungen sichtbar wurde?

Die Ausstellung stellt Gordons Eleganz als Künstler heraus. Die Poesie seiner politischen Arbeit macht ihn attraktiv. Er war sozial engagiert, aber er interessierte sich nicht für Identitäts- oder Gender-Fragen.



Circus, 1978
Museum of Contemporary Art, Chicago;
Schenkung Mr. und Mrs. E. A. Bergmann
und Susan und Lewis Manilow
©Estate of Gordon Matta-Clark,
Courtesy the Museum of Contemporary Art, Chicago


Allerdings hat er sich für alternative Gemeinschaften interessiert –

Er hat sich an sozialem Aktivismus in einer Fabrik in der Nähe von Mailand versucht, wo junge Marxisten ein Sit-In veranstalteten. In Paris ist er 1975 für Conical Intersect von marxistischen Hardlinern kritisiert worden, die ihn einen "Playboy" nannten. Für die jetzige Ausstellung wollte ich einen Paradigmenwechsel. Ich wollte nie wieder das Wort "Konzeptkunst" in Verbindung mit Gordon benutzen. Der Begriff beschreibt einen Künstler ohne menschliche Seite. Gordon war allerdings wirklich an den Menschen interessiert, wie man an Splitting 1974 sehen konnte. Oder wenn er ein Zuhause für Obdachlose einrichtete. Oder auch wenn er Passanten Sauerstoff gab, wie mit seinem Fresh Air Cart 1972. Er war gleichzeitig Humanist und Konzeptkünstler, und er sprach dabei dieses Gefühl an, am Abgrund zu stehen – in einer Art und Weise, die schon an Extremsport grenzte.


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